«Wiener Route» – Nordwand Fletschhorn, Simplon, SUI

Location: Gäli Egga ¦ Person: Röne ¦ Photo: Dude

Das Fletschorn ist der nördlichste der hohen Gipfel zwischen Simplon und Saastal. Nicht ganz 4000 Meter hoch, erhält er weniger Beachtung im Vergleich zum Weissmies und Lagginhorn. Alpinistisch spannend ist die Nordwand. Sie wurde im Jahr 1928 erstbegangen (!), jene Route durch die Seracs im zentralen Wandteil wird – wenn überhaupt – nur noch selten gemacht, da objektiv gefährlich. Heute beliebt ist die sogenannte Wienerroute, welche am 17. Juli 1960 von der österreicher Eislegende Erich Vanis eröffnet wurde. Sie führt durch den objektiv sichereren rechten Wandteil mit einer Steilheit um 50°+.


Zahlen & Fakten

Datum: 16. – 17. August 2013
Ort: SUI -> VS -> Simplon Pass ->  Fletschhorn 
Route
Tag 1 «Zustieg»:  Rossbodestafel – Biwak de Zen
Länge Tour Tag 1: 3h, ↑1100m ↓0m → 2.5Km
Tag 2 «Aufstieg & Abstieg»: Biwak de Zen – Rossbodegletscher – Fletschhorn NO – Breitloibgrat – Biwak de Zen – Rossbodestafel
Länge Nordwand: 2 1/2h ↑800m
Länge Tour Tag 2: 10h , ↑1012m ↓2064m → 7Km
Level: S-  II (UIAA-Skala)
Übernachtung: Biwak de Zen (20CHF)
Teilnehmende: Dude, Röneee


Log

Am Freitag Morgen fuhren wir von Bern via Lötschberg ins Wallis auf die Simplon Passhöhe. Dank fehlendem Fahrverbot konnten wir die ersten 300hm von Egga mit dem Auto (gute Forst-/Bergstrasse) bis kurz vor die Rossbodestafel fahren (Parkplatz vorhanden). Von dort aus hat man einen ersten Blick auf den Gletscherabbruch des Rossbodengletschers und dahinter auf die Fletschhorn Nordwand. Wir stiegen vom Parkplatz in 3 1/2h auf zum Biwak da Zen (3014m), eine kleine Biwakschachtel auf einer Gratschulter über dem Rossbodengletscher die für max. 9 Personen Platz bietet (da wird’s richtig eng!). Glücklicherweise waren wir alleine da und hatten somit die exklusivste Biwak-Lodge im ganzen Wallis für uns. Dank vorhandenem Kochgeschirr und improvisierter Küche war unser Abendessen im Nu zubereitet und wir konnten den tosenden Gletschergeräuschen lauschen sowie dem Steinschlag in der Fletschhorn Nordwand zusehen – wahres Home Cinema!

Die Nacht war ruhig, um 03:30 klingelte der Wecker und ein lieblicher Kaffeduft stieg in meine Nase (thx Rönee!). Wir verliessen um 04:30 das Biwak bei klarer Nacht und stiegen im Licht-Kegel der Stirnlampen angeseilt über den Rossbodengletscher an den Zustieg der Nordwand. Die Gletscherspalten waren alle zugefroren und gut sichtbar. Der Zustieg in die Wand über den Gletscherschrund erfolgte unproblematisch via Schneebrücke links der Falllinie des Felsriegels. Weiter ging’s nun seilfrei über die zunächst noch mäßig steile aber harte Flanke hinauf bis auf Höhe der Felsinsel (etwa 3.450 m). Die Traverse für die letzten 20 Meter auf die Felsinsel mussten wir unerwarteterweise in blankem Eis in den steilen Falllinien der Lawinen/Schneerinnen machen (ca. 1m tief). Auf der Felsinsel machten wir eine Kurze Snackpause und genossen den atemberaubenden Sonnenaufgang. Weiter stiegen wir etwas rechts haltend über die Insel und dann geradewegs hinauf die hier nun bis 55° geneigte Eiswand hoch. Im oberen Teil hatten wir guten Trittfirn welcher ein Aufstieg in Ueli-Steck-Manier ermöglichte (nur machte sich die höhe bei diesen Ansätzen in mehreren Verschnaufpausen klar bemerkbar ;). die Bewertung mit S+ im Alpinführer Walliser Alpen dürfte noch aus Vanis‘ Zeiten stammen und wird mit heutiger Technik wohl nicht mehr erreicht. Nach ca. 2 1/2h in der Wand stiegen wir am oberen rechten Rand durch die hier nur schwach ausgeprägte Gipfelwechte aus der Wand. Von dort waren es noch etwa 200 Höhenmeter zum Gipfel des Fletschhorns (3982m), den wir um ca. 9.00 Uhr erreichten. Umgeben von der gewaltigen Szenerie aus Walliser und Berner Vier- und Dreitausendern sieht man bis nach Saas Fee, Bettmeralp etc. Die Nordwand wäre im Frühling auch mit den Ski oder Snowboard fahrbar.

Die kürzeste Abstiegsroute zu Fuss zurück zum Biwak da Zen führt über den Breitloibgrat. Wir stiegen dazu in den Sattel neben P. 3.919 und zwischen den Schneewechten hindurch in die recht steile Flanke, die zum eigentlichen Grat führt, der erst auf ca. 3700m beginnt und sichtbar wird (im Sattel befindet sich auch auf Saaser Seite eine Abseilstelle für den oberen Teil der Flanke, die direkt unterhalb des Sattels auch von einem Bergschrund durchzogen ist). Der Breitloibgrat ist nur schwach ausgeprägt und besteht ausschließlich aus losem Geröll, Schiferplatten und Blöcken (max. II und das selten). Auf ca. 3300m erreichten wir den Sattel von dem aus man über eine Gletscherrampe wieder zurück zum Gletscherplateau unterhalb der Nordwand und über die Zustiegsspur zurück zum Biwak gelangt. Für den Abstieg benötigten wir ca. 2 1/2h.


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Alpine Tracker's Rating

9 Challenge

8 Conditions

8 Scenery

9 Remoteness

Die Wiener Route an der Fletschhorn Nordwand 2 Tages-Tour (gemäss Gipfelbuch im Biwak auch in einem Tag möglich resp. in einer Nacht und einem Tag...). Dank den super Schneeverhältnissen im oberen Teil der Wand und der guten und doch wolkenddurchzogenen Wetterlage hatten wir ein TOP-Wkend für den Durchstieg erwischt. Gerne würde ich diese Wand im nächsten Frühling nochmals durchsteigen und mit den Ski oder dem Snowboard runter shredden...