«Skilehrer-Aspirant» Swiss Snow Sports – Stufe 1

Die Ausbildung zum Swiss Snow Sports Skilehrer-Aspirant kann wahlweise mit dem Modul Methodik (ME) oder dem Modul Technik (TE) gestartet werden (Je 1 Woche). Voraussetzungen für die Anmeldung zum Kurs sind eine bestandene Zulassungsprüfung von Swiss Snow Sports, der Kidsinstructor  oder ähnlich anerkannte Ausbildungen (J+S Grundkurs etc.) sowie den Nothelferkurs. Wer die Module ME und TE besteht, ist „Skilehrer-Aspirant“.

Ich habe mich im Januar 2015 dazu entschlossen, im Sinne meiner aktuellen Berufstätigkeit als Skilehrer und meinem zukünftigen Berufsziel Ski-Guide, meine Skilehrerausbildung um die Stufe 1 „Skilehrer-Aspirant“ zu erweitern. Der Kurs fand in Unterwasser (Kanton Toggenburg) vom 01. – 15. März 2015 statt.


Methodik, Woche 1

Ausbildung

Im Modul Methodik werden die Grundlagen des Schneesportunterrichts vermittelt. Dazu gehören die verschiedenen Kern-Konzepte welche richtig angewandt zum Dialog zwischen Gast und Lehrer führen (Methodisches-, Pädagogisches- und Sportmotorisches-Konzept). Die Kernkonzepte wurden uns tagsüber in praktischer Lernumgebung auf dem Berg vermittelt. Die Experten haben dabei besonderen Wert auf eine Balance zwischen Theorie und Praxis gelegt. Am Abend haben wir jeweils die verschiedenen Konzepte in einer Theorie-Stunde meist in den jeweiligen Gruppen vertieft. Dazu gehörten dann auch diverse Leseaufträge mit den sehr übersichtlich gestalteten Lehrmitteln von Swiss Snow Sports die man selbständig die ganze Woche durch für sich repetieren konnte.

Die methodische Ausbildung richtete sich an alle möglichen Erfahrungsstufen von Schneesportlehrern. Dem unerfahrenen Skilehrer wurde vermittelt, wie er seinen Unterricht jeweils anhand der verschiedenen Konzepte (Pädagogisches-, Methodisches, Sportmotorisches, Technisches-Konzept) planen, gestalten und reflektieren kann. Dem bereits erfahrenen Skilehrer wurden Alternativen und Verbesserungsmöglichkeiten für seinen Unterricht aufgezeit.

Prüfung

Die Methodische Prüfung beinhaltete eine einstündige schriftliche Vorbereitung für eine Skiunterrichtslektion (Themen wurden nach Zufallsprinzip vergeben) sowie eine praktische Umsetzung nach den methodischen Grundsätzen am nächsten Tag (30min). Ich erhielt das Thema „Kurzschwingen Erwerben“.

Für mich persönlich war die praktische Prüfung alles andere als realitätsnah. Die auszubildenden „Gäste“, waren Kollegen aus dem Kurs mit Rollenspiel-Charakter (Verschiedene Fehlerbilder wurden von Ihnen „gespielt“). Ausserdem ist es für mich aus Erfahrung im Skilehrerberuf schlichtweg nichtssagend, eine Ski-Lektion in 30min (mit Einführung, Hauptteil, Schluss & Ausklang) abzuhandeln. Eine Stunde (Check-Up) oder sogar ein halber Tag „richtiger“ Unterricht mit Experten-Begleitung wäre hier das Minimum. Dies könnte beispielsweise von Swiss Snow Sports im jeweiligen Kurs-Skigebiet als „Spezialangebot für die Gäste“ organisiert werden. Oder  ein Experte besucht mich als Skilehrer während der Skisaison (verdeckt als  Mystery-Client) und bewertet so eine „richtige“ Skilektion nach den methodischen Grundsätzen. 


Technik, Woche 2

Ausbildung

Das Modul Technik beinhaltet die Beherrschung der technischen Formen bis zur Lerngruppe Fortgeschrittene. Auch muss in einer Fremdsprache (FS) unterrichtet werden können.

Ähnlich wie in der Methodik-Woche, wurden einem die technischen Prinzipien tagsüber auf der Piste praktisch sowie am Abend im Hotel theoretisch vermittelt. Unser Gruppenleiter Dario hatte hier ein sehr ausgeprägtes Gespür, uns individuell in den jeweiligen Formen technisch weiter zu bringen. Anhand von Videos wurden die Fortschritte täglich reflektiert und in der Gruppe analysiert.

In den jeweiligen Gruppen a ca. 7 Personen haben wir täglich eine der bevorstehenden Prüfungsformen praktiziert und vertieft (Ausser Riesenslalom!). Hierzu gab uns unser Gruppenleiter je nach persönlichem Stand indivuelle Übungen um uns zu verbessern. Die verschiedenen Disziplinen wurden je nach Gruppe und Können 3 Tage Lang geübt. Je Nach Prüfungsform hatte man vor der technischen Prüfung nochmals die Möglichkeit, Verbesserungsdetails in einem Workshop zu vertiefen.

Prüfungen

Die Technischen Prüfungen fanden in folgenden Disziplinen Statt:

  1. Falllinienfahren parallel – Falllinienfahren im Pflug – Pflugdrehen
    Progression: – Fahren in der Falllinie, parallele Skistellung – Geschwindigkeitskontrolle im Pflug – Pflugdrehen fliessend aneinander reihen
  2. Parallelschwung – Carveschwung
    Progression: – Schwingen in paralleler Skistellung gerutscht – geschnittene Parallelschwünge
  3. Kurzschwung
    Kurzschwingen in steilem Gelände mit Achsenwechsel
  4. Parallelschwingen in unpräpariertem Schnee
    Schwingen in paralleler Skistellung in unpräpariertem Schnee mit verschiedenen Radien
  5. Bogentreten – Schlittschuhschritt
    Richtungsänderungen im Fahren mit ausscherenden Schritten berg- und talwärts (Bogentreten in „S-Form“) und Übergang zu beschleunigenden Schlittschuhschritten im Fahren mit und ohne Stockeinsatz
  6. Falllinienfahren parallel über Wellen und Mulden
    Geländeangepasstes Fahren in der Falllinie auf flach geführten Skis (ein Durchgang)
  7. Freies Hangabschwingen
    Attraktive, dynamische Abfahrt auf abwechslungsreicher und schwieriger Piste (Variation aus Geschwindigkeit, Radius, Rhythmus). Darin integriert vier aneinandergereihte Parallelschwünge „Switch“ mit freiem Fahrtrichtungswechsel.
  8. Riesenslalom
    2 Läufe auf Zeit, der bessere Lauf wird gewertet (je ca. 35-40 Sekunden. Es fahren jeweils zwei Experten am Anfang und am Schluss des Wettkampfes. Das Mittel aus der schnelleren Eröffnungszeit und der schnelleren Schlusszeit der Expertenfahrten ergibt die Richtzeit. Die Differenz (in %) zwischen Richtzeit und persönlicher Laufzeit ergibt die Noten. Keine Rennanzüge.

Ausserdem wurden wir in der Technik Woche von einem Experten in einer theoretischen, mündlichen Prüfung über das Methodische und Technische Konzept von Swiss Snow Sports befragt. Die Skilehrer, welche kein anerkanntes Sprachdiplom vorweisen konnten, mussten zusätzlich noch eine mündliche Prüfung über Kommunikation im Skiunterricht in einer (frei wählbaren) Fremdsprache ablegen.

Die technischen Prüfungen fanden verteilt über die letzten 3 Tage der Technikwoche statt. Angefangen haben die Prüfungen mit dem „Parallelschwingen in unpräpariertem Schnee“ am Donnerstag Nachmittag  und endeten mit dem „Falllinienfahren parallel über Wellen und Mulden“ am Samstag Nachmittag. Die Prüfugen sind äusserst situativ ausgefallen (Jahreszeit, aktuelle Schneebedingungen, vorhandene Ressourcen usw.) Da kann man niemandem einen Vorwurf machen, schliesslich hatten alle im Kurs die gleichen Voraussetzungen für die jeweiligen Prüfungen. Einzig eine Prüfungsform muss ich hier explizit ausklammern. Den Riesenslalom (RS). Für mich ein absolutes No-Go, wie diese Prüfungsdisziplin abgehandelt wurde.

Kurze Erläuterung der Situation: Wir haben nicht ein einziges Mal während der technischen Woche für den RS geübt. Ich persönlich bin noch NIE in meinem LEBEN ein Ski-Rennen mit Toren gefahren (gerne hätte ich jedoch den Experten meinen Backflip über einen grossen Kicker gezeigt 🙂 ).
Alle Teilnehmer hatten die Möglichkeit, am Renntag 2 Test-Läufe zu absolvieren (Feedback auf meinen ersten Lauf: „Setz deinen Rennchip ein“ – „welchen Rennchip denn!?“). Danach gings los, die Experten hatten anscheinend ihren Renn-Chip eingelegt: Der Erste Vorfahrer Kili (Vorjahressieger Riesenslalom Swiss Snow Happening) „schmiss“ sich in einem äusserst agressiven Geländeübergang (3. Tor) spektakulär aus der Bahn und verletzte sich dabei. Der zweite Vorfahrer Ruedi konnte den ersten Vorfahr-Lauf knapp ins Ziel bringen.  Insgesammt vermochten unsere rennerfahrenen Experten 3 von 6 verlangten Richt-Zeiten ins Ziel zu bringen. Am Ende wurde jedoch ihre Beste Richtzeit trotz des übertriebenen Engagements von einem unserer Aspiranten (Raphi, Jahrelange Rennerfahrung) um einige hundertstelsekunden unterboten 🙂 . Ich für mich war froh beide Läufe mit meinen „normalen“ Slalomskis (die meisten Teilnehmer fuhren auf extra mitgebrachten und gepamperten Riesenslalomskis) „safe“ ins Ziel zu bringen und dabei „nur“ 7.5 Sekunden auf die erfahrenen Rennfahrer zu verlieren. Die Note war am Ende trotzdem ungenügend (max 12% länger als Durchschnitt der Vorfahrzeit = Note 4).

Diese Prüfungsdisziplin hat aus meinen Augen nicht viel mit dem Beruf eines Skilehrers zu tun. Mir wurde bestätigt, dass diese Prüfungsform in anderen Ländern nicht existiert. Nur Renn-Nationen wie die Schweiz und Frankreich haben das Gefühl, ein Skilehrer-Aspirant muss Rennen fahren können (ich verweise hier gerne nochmal auf andere mögliche Disziplinen (Freestyle, Off-Piste, Pistentricks etc.). Und selbst wenn, könnte man die Disziplin auf einer einfacheren Strecke, mit weniger Rennerfahrenen Vorfahr-Experten durchführen, oder wenigstens mehr trainieren… 😉


Spezial

Säntis Abfahrt

Am zweiten Tag der Technikwoche ertwartete uns alle eine ganz besondere Überraschung: Unsere Instruktoren haben für uns eine Variantenabfahrt vom Mittelmasten der Säntis-Gondelbahn richtung Wildhaus organisiert. Dieser Teil hatte weniger mit dem technischen Aspekt des Off-Piste-Fahrens zu tun. Vielmehr war diese Abfahrt als „Schmankerl“, als Abwechslung und Möglichkeit zum „Kopf lüften“ für uns alle gedacht. Die Abfahrt wurde von einem IVBV anerkannten Bergführer aus der Region geleitet, und beinhaltete kleine Theoretische Blöcke über Verhalten abseits der Pisten, Lawinenkunde und Tourenvorbereitung.

Chinesische Skilehrer Delegation

Speziell an unserem Ausbildungskurs in Unterwasser war, dass mit uns zusammen die chinesische Skilehrerdelegation, welche vor einem Jahr als Marketing-Übung von Schweiz Tourismus aus der Pekinger Skihalle auf die Schweizer Top-Destinationen exportiert wurden mit uns zusammen die Ausbildung zum Skilehrer-Aspirant absolvierten. Während der ganzen technischen Woche, wurden die 8 Chinesen in einem speziell für sie bereitgestellten Team aus Instruktoren und Coaches auf die Prüfungen vorbereitet. Neben den Unterrichtszeiten fand mit Ihnen ein wunderschöner interkultureller Austausch über das Skifahren, Trinkspiele und sonstige wichtige und unwichtige Themen im Leben statt, was ich persönlich sehr geschätzt habe.

Einzig war es für mich schwierig zu verstehen, dass diese Gruppe im Vergleich zu uns „normalen Skilehrern“ aufgrund der Marketing-Komponente im Hintergrund, sprich der immensen Unterstützung von Schweiz Tourismus, Swiss Snowsports, den jeweiligen Top-Skiresorts der Schweiz, Stöckli-Ski etc. stärker gefördert wurden (Finanziell,  Methodisch & Praktisch (on the Job)). So muss es sich wohl anfühlen, wenn man als „Einzelkämpfer“ (Private Skischule, Freelancer) an einem Event mit gesponserten Professionellen an den Start geht :p

Wie bereits erwähnt, war die Erfahrung mit meinen chinesischen Berufskollegen aber rundum positiv und ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg als internationale Botschafter für den Skilehrer-Beruf in der Schweiz.

Chinesische Skilehrerdelegation

Location: ZH-Airport ¦ Chinese Skiinstructor Delegation ¦ Photo: photopress.ch


Danke

Ein wichtiges anliegen ist es mir, mich bei einigen Personen für den Support und ihre ausserordentlichen Leistungen zu bedanken:

Ella – Swiss Snow Sports Education
Kursleiterin „Aspirantenkurs-Unterwasser 2015“ und Gruppenleiterin Methodik-Woche.

Dario – Swiss Snow Sports Education
Gruppenleiter Technik-Woche und „Mentor“ 🙂

Bruno – Swiss Snow Sports Education
Gruppenleiter ME&TE-Woche, Filmer, Cutter & Producer des Filmmaterials.

Nathalie – Swiss Snow Sports Administration
Admin der Kursteilnehmer, Kontaktperson Swiss Snow Sports.

Pascal & Markus – Gastgeber Gadelodge Unterwasser
Unsere 2 Schätze am Abend, Gastgeber mit Herz, Humor & Charme sowie einem hohen Qualitätsanspruch.


Downloads:

Dokumentenbeispiele Unterricht & Swiss Snow Sports:

Sonstiges


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Skigebiete:

  • Bergbahnen Toggenburg – Infos zu den Skigebieten Unterwasser, Wildhaus & Alt. St. Johann und zur Region Toggenburg.

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